Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919) Der deutsche Bildhauer und Maler Wilhelm Lehmbruck wurde Anfang des 20. Jahrhunderts besonders durch seine ästhetischen, weiblichen Aktskulpturen zu einem zentralen Vertreter der plastischen Kunst in Europa. Inspiriert von den bedeutungsträchtigen Werken Auguste Rodins und Aristide Maillols ließ Lehmbruck zahlreiche imposante Bronzeskulpturen entstehen.

Der deutsche Bildhauer und Maler Wilhelm Lehmbruck wurde Anfang des 20. Jahrhunderts besonders durch seine ästhetischen, weiblichen Aktskulpturen zu einem zentralen Vertreter der plastischen Kunst in Europa. Inspiriert von den bedeutungsträchtigen Werken Auguste Rodins und Aristide Maillols ließ Lehmbruck zahlreiche imposante Bronzeskulpturen entstehen. Zu seinen Hauptwerken zählen die Stehende weibliche Figur (1910), Die Kniende (1911) und Der Gestürzte (1916). Viele seiner Werke sind heute im Lehmbruckmuseum in Duisburg ausgestellt.

Das Leben von Wilhelm Lehmbruck

Wilhelm Lehmbruck wurde am 04. Januar 1881 in Meiderich bei Duisburg in Deutschland geboren. Früh erkannte man das Talent des jungen Lehmbruck und förderte ihn. Ab 1895 besuchte er die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, 1901 dann die Düsseldorfer Akademie. Durch internationale Ausstellungen lernte Lehmbruck zahlreiche Werke namenhafter Künstler kennen. Stücke von Auguste Rodin und Albert Bartholomé sollten seine Frühwerke nachhaltig prägen. In den Folgejahren unternahm Lehmbruck verschiedene Studienreisen nach England, in die Niederlande und nach Italien, bevor er 1906 als Meisterschüler bei Karl Janssen sein Studium erfolgreich abschloss. Dabei verdiente er zunächst mit Auftragsproduktionen seinen Unterhalt. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Portraits und Grabplastiken. Bekannt wurde Lehmbruck dann durch seine Beteiligung an verschiedenen Ausschreibungen, Wettbewerben und Ausstellungen. Carl Nolden gilt als einer seiner ersten Sympathisanten und Sammler. 1908 heiratete Lehmbruck Anita Kaufmann, die zu seiner Muse wurde. Für viele seiner Plastiken stand sie Modell. 1910 zog es Lehmbruck einmal mehr nach Paris, wo er eine Verbindung zu Auguste Rodin herstellte und sich von den Werken Aristide Maillols inspirieren ließ. Zwischen 1910 und 1914 stellte Lehmbruck im Rahmen zahlreicher namenhafter Schauen in Paris aus. So wurden seine Skulpturen unter anderem in der Société nationale des Beaux-Arts, dem Salon des Indépendants und dem Salon d´Automne präsentiert. Auch in Deutschland stieg in dieser Zeit sein Bekanntheitsgrad stetig. Während des ersten Weltkriegs schuf Lehmbruck nur noch wenige Skulpturen. Später verfiel der Künstler in schwere Depressionen. Am 25. März 1919 setze er in Berlin seinem Leben ein Ende.

Die Stehende weibliche Figur (1910 - 1912) als Hauptwerk Lehmbrucks

Die Stehende weibliche Figur gilt als bedeutungsvollstes Frühwerk Lehmbrucks. Ihr Aufbau ist durch zentrale Elemente der Antike und Renaissance gekennzeichnet. Die Gestaltung der feinen weiblichen Gesichtszüge verweist allerdings auf eine realistische Arbeit am lebenden Modell, welche sich klar von der am Körper dargestellten Klassizität distanziert. Häufig wird die Aktstatue in einem Atemzug mit der Pomona von Aristide Maillol genannt. Zwar hat sich Lehmbruck während seiner Aufenthalte in Paris intensiv mit den Werken Rodins auseinandergesetzt, dennoch scheint die Große Stehende auch jene Klassizität nachzuempfinden, wie sie durch Maillol als stilistische Gegenposition zu Rodin geprägt wurde. Die Stehende weibliche Figur entstand etwa 1910 in Paris, zunächst als Gipsmodell und später dann in Bronze.

Der Gestürzte (1916) als neu definiertes Kriegsdenkmal in Bronze

Wilhelm Lehmbrucks spätere Werke verkomplizieren seine stilistische Positionierung in der Kunstwelt. Während sich seine Statue die Stehende weibliche Figur als eine seiner ersten Bronzefiguren eher in der symbolgeladen Klassizität bewegt, wurden seinen späteren Skulpturen zunehmend von einem gewissen expressionistischen Charakter geprägt. So sind seine einschlägigen Plastiken in ihrer Summe betrachtet keinem Stil eindeutig zugehörig. Der Gestürzte existiert in verschiedenen Varianten, darunter auch eine Fassung in Bronze. Zunächst trug sie den Namen Sterbender Krieger. Die Formsprache der Skulptur ist außerordentlich zurückhaltend. Die fast silhouettenartige Darstellung bewegt gekonnt sich zwischen Tradition und Moderne, zwei Komponenten, die Lehmbruck stets in seinen Plastiken verband. Die Skulptur entstand im Rahmen einer Ausschreibung, die ein Kriegsdenkmal für den Ehrenfriedhof der Stadt Duisburg vorsah. Der Entwurf Lehmbrucks widersprach dabei allerdings ganz klar den klassischen Kriegsdenkmälern der damaligen Zeit. Ein minimalistisch anmutenden, tödlich verletzter, junger Mann kämpft um sein Leben. Positioniert auf einer opulenten Grundplatte, wird der Überlebenskampf des gebrochenen Kriegers wirkungsvoll erfahrbar.